Warum so ein Theater?

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SprInt hat in den letzten fünfzehn Jahren schon immer versucht, Theaterstücke auf die Bühne zu bringen. „Warum?“, könnte man fragen. Was war die Absicht dahinter?

Sprachförderung nur über Biologie- oder Geographietexte im Schulbuch und über Inhaltsangaben und Analysen in Deutsch zu betreiben, kann ziemlich langweilig sein. Es vermitteln sich über reine Schultexte keine Emotionen in der Sprache, es findet sich auch kaum ein kreativer Ausdruck in Fachtexten, es gibt keine Körperlichkeit und kein kommunikatives Gemeinschaftserlebnis in Textaufgaben, sondern jeder liest und schreibt für sich allein.
Theater bietet mehr: Viel Gefühl in den Dialogen, kreative Arbeit mit Körper und Geist und ein Gruppenerlebnis, das viele gemeinsame Gespräche und Abstimmungen verlangt. Viele Gesprächsanlässe bietet auch die Thematik eines Stückes, wenn es gesellschaftsrelevante Fragen behandelt. Ganz nebenbei trägt Theaterspielen noch ungemein zur Persönlichkeitsbildung bei, alleine schon, weil man Disziplin aufbringen muss, um seinen Text zu lernen, pünktlich bei den Proben zu sein oder seine Requisiten ordentlich zurechtzulegen.

Die verschiedenen Jugend-Musicals, die wir in den letzten Jahren im Wedding angingen, waren in der Organisation und Finanzierung immer eine große Herausforderung. Als wir dann aber „Streetkidz“, „Chicken-Tikka“ oder „Die Wedding-Story“ auf die Bühne brachten, war das jedes Mal ein großer Erfolg beim Publikum und ein grandioses Gemeinschaftserlebnis für die junge Theatergruppe, die im gesamten Produktionsprozess viel übers Theaterspielen, über Organisationsabläufe, über die Thematik des Stückes und vor allem über sich selbst und andere lernen konnte.

Theaterpädagogik ist gelebte Sprach- und Bildungsförderung. Deshalb würden wir gerne auch 2021 wieder ein theaterpädagogisches Highlight setzen. Diesmal allerdings nicht konzentriert auf die Zielgruppe von Jugendlichen, sondern die Theaterarbeit soll generationenübergreifend sein und allen Interessierten offenstehen. Die Zielrichtung ist diesmal nicht so sehr, Jugendliche bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, sondern Im Gesundbrunnen-Stadtteil mehr Zusammenhalt und Austausch stattfinden zu lassen. Indem Schauspielerinnen und Schauspieler mit viel Erfahrung und ohne Erfahrung zusammenkommen, Alte und Junge, Frauen und Männer, Zugewanderte und Einheimische kann sich eine vielfältige Truppe zusammenfinden, die kreativ an einem Produkt arbeitet: An einer Aufführung auf dem Hof des Medienhof-Wedding.

Da alle Leute aus der näheren und weiteren Nachbarschaft eingeladen sind mitzumachen und auch die Zuschauerinnen und Zuschauer wahrscheinlich aus den Weddinger Familien kommen werden, kann man durchaus von einem Kommunaltheater sprechen. Kommunal im Sinne von lokal, weil es den Wedding betrifft, aber auch im Sinne von Kommune, also einer solidarischen Gruppe, die zusammen etwas zustande bringt. Unsere Hoffnung ist, dass durch diese Theaterarbeit und die Aufführungen Abschottungen zwischen Generationen, Geschlechtern und Communities aufzubrechen, einfach schon deshalb, weil es allen Spaß macht mitzumachen oder zuzuschauen.

Falls das erste Stück zustande- und gut ankommt, ist durchaus vorstellbar, dass es immer wieder neue Stücke gibt, die im Medienhof-Wedding entstehen, mit neuen Regisseuren und neuen Gruppen. Wichtig erscheint mir, dass die Gruppen bei jedem neuen Stück offen bleiben und sich neu finden und nicht zu einer geschlossenen Gesellschaft werden. Nur so kann die Vernetzung und Verankerung im Kiez wirklich auf Dauer funktionieren.

Als erstes Stück haben wir uns „Die Amazonen“ vom jungen Autor Thor Truppel vorgenommen. In der Komödie wird ein Matriarchat im antiken Griechenland dargestellt, in das sich drei Krieger verirren. Natürlich kommt es zu vielen Verwicklungen und Irritationen über die Geschlechterrollen. In dem Stück gibt es zehn Frauenrollen und drei Männerrollen, wobei natürlich Frauen auch von Männern gespielt werden können. Kleine Musik- und Tanzpassagen sollen das Stück zum Schwingen bringen.

Wir würden uns freuen, wenn sich alle möglichen Menschen für unser Vorhaben interessieren würden. Optimal wäre es, wenn sich professionelle Schauspieler*innen genauso trauen, zu einem ersten Treffen zu kommen wie unerfahrene Laiendarsteller*innen, wenn junge Zuwander*innen genauso wenig Angst haben mitzuspielen wie urdeutsche Rentner, wenn Arbeiter*innen neben Akademiker*innen auftreten würden. Von dem Angebot sollten sich alle angesprochen fühlen, die immer schon gerne mal mit einer bunten Truppe etwas Kreatives schaffen wollten.

Ein erstes Kennlerntreffen wird am 14. April stattfinden.

Wir hoffen, es wird ein großer Erfolg und wir freuen uns auf die Umsetzung des Stückes!

 

 

Damit wir auch in Zukunft den Schülern helfen können, benötigen wir Ihre Spende. Bitte unterstützen Sie uns unter: https://www.betterplace.org/de/projects/5160-bildungsforderung-sprint-eine-bessere-zukunft-fur-kinder-durch-bildung

Der Artikel stammt von SprInt-Leiter Herbert Weber. Herbert Weber ist gelernter Landschaftsgärtner und studierte später Politikwissenschaft, Geographie und Deutsch auf Lehramt und Magister. Nach einer Zeit als Deutschlehrer und Redakteur gründete er 2005 die Sprach- und Bildungsförderung SprInt.

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