Pech gehabt? Drei Tage SprInt-Fortbildung in Storkow

Berlin-Wedding, 15. September 2026 – von Malin Kraus

Foto: Diana Maak (l) und Barbara Krischer (r)

 

Im August 2026 kamen die Mitarbeitenden und Helfer*innen von SprInt für drei Tage in Storkow zusammen – zum Weiterbilden, zum Austauschen und zum Nachdenken darüber, was gutes Lernen ausmacht.

Wer hat eigentlich Pech gehabt, wenn eine Schülerin oder ein Schüler eine Aufgabe nicht versteht – die Lehrperson oder das Kind? Die Frage klingt einfach, führt aber mitten hinein in das, was SprInt jeden Nachmittag im Medienhof Wedding tut. Und sie zieht sich wie ein roter Faden durch eine dreitägige Fortbildung im brandenburgischen Storkow.

Gerade in Berlin-Wedding kennen viele Schüler*innen das Problem: Man soll eine Aufgabe ausrechnen, kommt aber schon bei den Wörtern der Aufgabenstellung nicht weiter. Genau an dieser Lücke im Bildungssystem, die seit Jahren öffentlich kaum benannt wird, setzt SprInt an – die 2005 von Herbert Weber gegründete Bildungsinstitution, bei der Kinder und Jugendliche nachmittags Unterstützung bei Sprachproblemen und Schulinhalten bekommen. Aus der Anfangsidee sind längst viele feste Mitarbeitende und zahlreiche Helfer*innen geworden. Für deren Weiterbildung geht es im August 2026 nach Storkow.

Ankommen: eine Runde mit Geschichte und Neuzugängen

Zum Auftakt begrüßt Herbert Weber die Teilnehmenden, die eine Runde mit großer Spannbreite bilden: Einige der Anwesenden sind schon länger mit dabei und sitzen neben Menschen, die erst am Tag der Fortbildung oder kurz zuvor zum ersten Mal im Medienhof waren. Wie groß diese Spanne ist, macht der Einstiegsfragebogen von Referentin Diana Maak sichtbar: Wer ist am längsten dabei, wer am kürzesten? Wer unterrichtet welches Fach? Und – ganz im Arbeits-Du – wer findet eigentlich Ananas auf Pizza vertretbar?

 

Begrüßung bei der Fortbildung durch Herbert Weber (r) und Team.

 

Danach wird es grundsätzlicher, mit einer Frage, die sich nicht in einem Satz beantworten lässt: Was für ein Typ ist man eigentlich beim Unterrichten? Ist man streng – und will man das überhaupt sein? Wie reagiert man, wenn Überforderung eintritt? Denn die Fortbildung ist nicht nur Weiterbildung, sondern vor allem ein Ort des Austauschs für Kolleg*innen, die sich untereinander nicht zwangsläufig kennen.

Diana Maak beschreibt diesen gemeinsamen Blick auf die eigene Arbeit so: „Das Schöne am Workshop war für mich die aktive Beteiligung der Teilnehmer*innen. Die Idee war, gemeinsam zu reflektieren, unter welchen Rahmenbedingungen und in welchem Kontext im Medienhof gearbeitet wird. Das ist wichtig, weil z. B. die Erwartungen, mit denen die Schüler*innen kommen, und die Bedingungen vor Ort (Zeit, Arbeit mit mehreren Schüler*innen gleichzeitig) Einfluss darauf nehmen, wie man die Schüler*innen am besten unterstützen kann. Der Austausch hat mir viele eigene Eindrücke aus dem Medienhof bestätigt und spannende neue Impulse mitgegeben.“

Workshops: Theorie trifft Praxis

An drei Tagen stehen mehrere Workshopblöcke auf dem Programm, unter anderem mit Barbara Krischer, Dozentin an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet ganz konkret an der Gestaltung von Aufgaben für DaF-Lernende – also für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen – und verbindet so den theoretischen mit dem praktischen Teil der Fortbildung.

Um zu verstehen, was SprInt kann und will, hilft eine Unterscheidung, die den Kern der Fortbildung bildet. Der Medienhof Wedding bietet kein formales Lernen wie die Schule: keinen Lehrplan, keine Noten, kein Zeugnis. SprInt setzt auf non-formales Lernen, es hat einen Rahmen und ein Ziel, aber keine Verpflichtung. Davon zu unterscheiden ist das informelle Lernen, das beim Spracherwerb eine entscheidende Rolle spielt, im Medienhof aber eher nebenbei geschieht. Kurz gesagt: SprInt arbeitet non-formal mit den formalen Vorgaben aus der Schule und unterstützt auch informell, z. B. im Spracherwerb.

 

Diana Maak stellt die Shadow Education als Konzept vor.

 

Die Bausteine, die nonformales Lernen möglich machen, sind schnell aufgezählt und in der Praxis anspruchsvoll umzusetzen: kostenlos, ohne Noten, möglichst individuell im eins zu eins, kompensatorisch und in einem geschützten Raum. Im Mittelpunkt stehen Deutsch als Fremdsprache und Chancengleichheit. Den Gegenpol dazu erklärt Diana Maak in ihrem Vortrag. In der Forschung heißt er Shadow Education: kostenpflichtige Nachhilfe, ein paralleles Bildungssystem, das Ungleichheit ausgleichen soll und sie oft verschärft, gerade weil es Geld kostet. Wer dorthin geht, steht meist unter Druck, sich in den Noten verbessern zu müssen.

Kein Leistungsdruck

Genau diesen Druck gibt es bei SprInt nämlich nicht. Die Schüler*innen kommen, weil sie Lust dazu haben. Manche von ihnen mit schlechten Noten, manche mit guten. Eine ehemalige Schülerin, die heute selbst als Lehrerin im Medienhof arbeitet, erzählt in der offenen Runde: „Ich war immer abgelenkt, konnte mich nicht motivieren, für eine Klausur zu lernen. Im Medienhof sind nette Leute, Leute, mit denen man inzwischen arbeitet, die einen früher unterrichtet haben. Der Hauptgedanke war da nicht nur, dass ich die Klausur bestehen muss, sondern vor Ort einfach Spaß zu haben.“

Ehrlich bleiben – und trotzdem etwas gewinnen

Diese Vermittlung zwischen formalem und informellem Lernen gelingt nicht immer. Die Schule bleibt das System, in das zurückgekehrt wird, mit all ihren Fristen und ihren nicht immer nachvollziehbaren Zensuren. Und im Eins-zu-eins sitzt die Lehrkraft dann gewissermaßen immer mit am Tisch im Medienhof, auch wenn sie gar nicht da ist. Das kann schnell zur Belastung werden – lässt sich aber im gemeinsamen Gespräch klären.

 

Das SprInt-Team aus Lehrer*innen und Freiwilligen beim Austausch. 

 

Das ist die zentrale Stärke des Medienhofes, wie sie auch an den Fortbildungstagen hervorsticht: Über alles lässt sich reden, zusammen ist man stärker, und manchmal braucht es nur ein neutrales Gegenüber, mit dem die Inhalte der Schulbank schon verständlicher erscheinen. Denn eine schlecht gestellte Aufgabe lässt sich zu zweit und in Ruhe auch als solche erkennen und nicht als eigener Fehler verinnerlichen. Man kann gemeinsam überlegen, warum ein Satz so gebaut ist, wie er gebaut ist. Und plötzlich ist es nicht mehr die Schülerin, die etwas nicht versteht, sondern eine unglückliche oder viel zu umständliche Formulierung. Pech gehabt? Vielleicht. Aber dann eben Pech für die Aufgabe und nicht für die Schülerin.

Hinweis

SprInt lebt von Menschen, die Lust haben, ihr Wissen zu teilen. Ob Studentin, Berufstätiger oder im Ruhestand: Wer Kinder und Jugendliche im Medienhof Wedding beim Lernen begleiten möchte, ist herzlich willkommen.

  • Helfer*in werden: Schreib uns an herbert.weber@bildung-sprint.de oder ruf an unter 030 / 49 76 84 60.
  • Vorbeikommen: Medienhof Wedding, Prinzenallee 25/26, 13359 Berlin.
  • Unterstützen: Mehr über SprInt und Möglichkeiten zu spenden findest du auf unserer Website.