Probeneinblick: „Der kleine Tag“, Neukölln

Berlin-Wedding, 25. Juni 2026 – von Malin Kraus

Hinter den Kulissen von „Der kleine Tag“. (Foto: Leandra Teschner)

 

Die Musikschüler*innen der Studienvorbereitenden Ausbildung (SVA) Musical der Musikschule Paul Hindemith Neukölln proben unter der Leitung von Marco Billep und Bijan Azadian „Der kleine Tag“ – das Musical nach einer Erzählung von Wolfram Eicke, vertont von Hans Niehaus, Rolf Zuckowski und Wolfram Eicke, 1999 produziert und seitdem bundesweit immer wieder aufgeführt.

In diesem Jahr stemmt das Mammutprojekt aus verschiedenen Disziplinen und Bezirken Herbert Weber, Leiter des Medienhof SprInt im Wedding. Er hat Marco Billep und Bijan Azadin für die musikalische Leitung des Projektes angesprochen.

Ein eingespieltes Team

Wie im Tunnel, beschreibt Marco Billep seine Arbeit als Regisseur – nicht nur an diesem Projekt, sondern bereits an einigen, die er gemeinsam mit Bijan Azadian realisiert hat. Die beiden sind ein eingespieltes Team, seit Jahren leiten sie gemeinsam die SVA Musical in Neukölln und haben in dieser Zeit eine Reihe großer Musicalproduktionen auf die Beine gestellt. Alles funktioniert hier gleichzeitig, aber die Studienanwärter*innen kennen das schon. Choreografie und Musik lernen gleichzeitig, sie denken das große Orchester, das zum Premierentag ebenfalls da sein wird, direkt mit. Das kann man sich noch schwer vorstellen auf dem rutschigen Hallenboden, auf dem schon vereinzelt selbstgebastelte Requisiten des Stückes stehen. Das Highlight: ein Feuer, das mit Licht funktioniert und schon jetzt ein erstes Gefühl von Bühnenrealität vermittelt.

Die ersten gemeinsamen Proben

Heute wird der Beginn des Stückes geprobt. Es ist erst die zweite gemeinsame Probe, die die Gruppe hat – eine Grundstruktur gibt es trotzdem. Die Schüler*innen leiten in das Stück ein, in das Leben des kleinen Tages, der hinter den Sternen im Lichtreich auf seinen Einsatz wartet.

Einen Tag auf die Bühne bringen

Der kleine Tag stellt dabei eine besondere darstellerische Herausforderung. Das Stück hat keine menschlichen Hauptfiguren im klassischen Sinne – es sind Tage, die hier auf die Bühne müssen: Lichtwesen, abstrakte Kräfte, Ideen, die man nicht anfassen kann. Einen Tag zu spielen bedeutet, eine Haltung zu verkörpern, keine Biografie. Das verlangt von den Schülerinnen als Darstellerinnen eine Art doppelter Arbeit: Sie müssen gleichzeitig präzise musikalisch sein und einen inneren Zustand nach außen tragen, der sich weder in Kostüm noch in Requisite festhalten lässt. Das Große steckt hier buchstäblich im Kleinen – in einem Blick, einer Geste, dem Moment, in dem eine Stimme kippt. Genau das macht „Der kleine Tag“ seit seiner Uraufführung 1999 zu einem anspruchsvollen Stoff, der weit über das Kindermusical hinausweist: Die Frage, was einen Tag unvergesslich macht, ist eben auch die Frage, was Theater kann, was kein anderes Medium kann.

Zwischen Playback und Gruppendynamik

Da wird viel getuschelt, Gruppendynamiken werden erprobt, mit Lautstärken experimentiert. Marco Billep unterbricht. „Wie auf einer Party“ wünscht er sich von den Schülerinnen die Gesprächsdynamik der Tage – jener Lichtwesen, die den Zuschauerinnen das Prinzip des Universums erklären sollen.

Insgesamt neun Schülerinnen mit Musicalausbildung arbeiten an der Produktion mit. Sie vereint: Alle wollen auf einer der renommierten Musicalschulen angenommen werden. Das Stück ist deshalb auch eine wichtige Praxis – die Aufnahmeprüfungen für dieses Jahr haben fast alle im Raum schon hinter sich. Dennoch sind die Erwartungen groß. Hier wird vor allem Wert auf Selbstverantwortung gelegt, die Arbeit mit Playback ist anspruchsvoll: Das Playback, erklärt Bijan Azadian nach einem falschen Einsatz, „hat immer recht“. Vieles gibt es also noch zu lernen. Fehler dürfen ausdrücklich passieren, betont auch Marco Billep, der den Druck, den sich die Schülerinnen machen, deutlich spürt.

Jeder Tag ist wertvoll

Wie spielt man nun aber wirklich einen Tag? Die Schüler*innen antworten: von sich selbst überzeugt sein, viel Spaß haben, wie eine große Familie – und: Egoismus kann man nicht wegdenken. Marco Billep ergänzt: Das hat viel mit Akzeptanz zu tun. Jeder Tag ist wertvoll. Jeder Tag ist stolz auf das, was er ist. Das Licht ist schon drin – auch wenn es erst viel später scheinen darf. Ein Sprung ins kalte Wasser. Und für ihn als Regisseur: die Möglichkeit, die künstlerische Perspektive voll auszuschöpfen, auf erste Impulse zu reagieren und sie dann zu formen.

Auch kleine Tage können sehr groß werden

Es ist bereits die vierte gemeinsame große Musicalproduktion von Marco Billep und Bijan Azadian an der Musikschule Paul Hindemith Neukölln – und die Ruhe, mit der die beiden durch den Probentag navigieren, zeigt: Auch kleine Tage können sehr groß werden.

Tickets und Kontakt

Die Plätze für das Musical sind begrenzt. Hier geht es zur Reservierung.

Sprach- und Bildungsförderung SprInt gGmbH
Herbert Weber (Geschäftsführer)
Medienhof Wedding
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